Was, wenn Weihnachten "himmelhochschreiend" schmerzt?


 


Was, wenn Weihnachten "himmelhochschreiend" schmerzt, anstatt "himmelhochjauchzend" Frieden und Glückseligkeit verkündet?

Gerade die Weihnachtszeit und die Tage zwischen den Jahren können für Menschen, die einen Verlust erlitten haben besonders schmerzlich sein. Die glitzernde, funkelnde und feierliche Dekoration rundherum und die verheissungsvolle Stimmung passen überhaupt nicht zu der inneren Schwere und Dunkelheit. Diese Diskrepanz löst inneren Stress aus. Genauso der Konflikt zwischen dem eigenen Bedürfnis nach Rückzug und Ruhe, statt Feierlichkeit in fröhlicher Gemeinschaft, und dem Gefühl Erwartungen erfüllen zu müssen, um Niemanden zu enttäuschen und noch trauriger zu machen.

Wie aber wird man seinen eigenen Gefühlen und Bedürfnissen in dieser Zeit gerecht? Was benötigen Betroffene von ihrem Umfeld und in der Begleitung in dieser speziellen Zeit wirklich?

"Weihnachten soll dieses Jahr ausfallen!" schreit der 12-jährige Noa und schmeisst in seiner inneren Not eine rote Weihnachtsbaumkugel an den Boden, wo sie in tausend Splitter zerspringt. So, dieses Bild passt besser zu seinem Inneren - die Kugel liegt da, zerbrochen wie sein Herz. Er rennt davon in sein Zimmer, er möchte allein sein. Seine Mama ist gestorben und die Welt sollte stehen bleiben - aber sie dreht sich weiter, wie wenn nichts geschehen wäre... Sogar Weihnachten will geschehen wie jedes Jahr, obwohl es die erste ist ohne Mama. Das darf nicht sein! Mit seiner Wut macht Noa auf diese Diskrepanz zwischen dem Aussen und seinem Inneren aufmerksam.

Sein Bedürfnis hinter der Wut ist, dem Verlust der Mutter - gerade in dieser speziellen Zeit, die für Gemeinschaft und Familie steht, die man bis dahin immer gemeinsam und intensiv gestaltet hat, Raum und Ausdruck geben zu können, als Zeichen der Traurigkeit über den unbeschreiblichen Verlust, der Liebe, des Schmerzes und des Fehlens.

Wichtig zu wissen: Trauer wird nicht grösser oder schwerer, wenn sie Aufmerksamkeit bekommt - im Gegenteil, Trauer verlangt sogar danach wahrgenommen und gelebt zu werden, damit sie fliessen kann und sich dabei nach und nach wandeln darf. Nur die unterdrückte Trauer macht krank, weil sie sich nach Innen fressen muss, wenn sie nicht hinaus kann oder aber sie sich je länger je mehr in Wut und Aggression wandelt, um irgendwie doch noch den Weg hinaus zu finden - in einem Wutanfall.

Diese Erklärung hat der Familie von Noa geholfen, Weihnachten so besonders zu gestalten wie sie es nun mal war. Die Idee - welche ich übrigens von meiner Ausbildung zur Familientrauerbegleiterin bei Mechthild Schroeter-Rupieper mitgenommen habe - einen Ast aus dem Christbaum zu schlagen als Zeichen der Lücke, welche der geliebte Mensch zurückgelassen hat, und diesen Ast an Weihnachten aufs Grab oder an den Ort der Beisetzung zu bringen, zu schmücken und eine Kerze hinzustellen, hat die ganze Familie dankbar umgesetzt. Alle waren erleichtert, den schmerzlichen Verlust mit der unschönen Lücke im Christbaum sichtbar zu machen und mit dem Herzen in Verbundenheit mit der verlorenen Tochter, Ehefrau und Mutter sein zu können. Die Kinder haben zudem Bilder gemalt, Briefe geschrieben und eine Grabkerze mit Wasserfesten Stiften bemalt mit Botschaften aus Symbolen und Wörtern, die sie mit ihrer Mutter verbinden. Diese wurden auch zum Grab gebracht. Wer nicht möchte, dass die Briefe gelesen werden, können sie dort auch verbrennen und die Botschaft mit dem Licht des Feuers dahintragen lassen, wo sie hin sollen. Wenn das Kind möchte, kann es die Grabkerze auch wieder mitnehmen und auf seinem Fenstersims weiterbrennen lassen.

Vielleicht helfen diese Beispiele auch Dir, Menschen zu ermutigen, gerade in dieser heiligen Zeit ihre Verluste zu würdigen und ihnen Raum zu geben.

Ich bin mir sicher, dass Menschen in Krisen, gerade durch solche Möglichkeiten ihre Trauer auszudrücken und ihr Raum zu geben, etwas Erleichterung finden können und Augenblicke von innerem Frieden erfahren dürfen - ihr persönliches Weihnachtswunder wenn in Verbindung mit der geliebten Person, ein Lichtfunke das zerbrochene Herz wieder zusammenfügt.


Unsere Wünsche

In diesem Sinne wünschen wir Dir und Deinen Lieben und uns allen ein jeweils ganz persönliches Weihnachtswunder, inneren Frieden, Vertrauen, Hoffnung, Zuversicht und ein gesegnetes neues Jahr!

Der Vorstand des Vereins FKT-Ost