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Interview mit Stefanie Pleisch

David Naef hat an Stefanie Pleisch, welche bereits seit einem Jahr im Vorstand mitwirkt, einige Fragen gestellt:



Stefanie Pleisch

Stefanie, Du hast auf der Palliativabteilung des Kantonsspitals gearbeitet. Was sind dort Deine Aufgaben?

Ich habe bis im Dezember 2022 als Pflegefachfrau auf der Palliative Station gearbeitet und ein wunderbares Behandlungsteam unterstützt. Mein Aufgabenbereich bestand darin, Menschen, welche an einer unheilbaren Krankheit leiden und ihre Angehörigen zu betreuen und zu begleiten, mit dem Ziel die Lebensqualität zu steigern und eine verbesserte Gesamtsituation zu erzielen. Zentral dabei ist, belastende Symptome wie z.B. Schmerzen, Atemnot oder Erbrechen zu lindern sowie psychosoziale und seelische Bedürfnisse zu erfassen und integrieren. Bei interdisziplinären und interprofessionellen Rapporten werden die Situationen auf verschiedenen Ebenen besprochen und nach Optimierungsmöglichkeiten gesucht. Die Palliative Abteilung des Kantonsspitals Graubünden in Chur ist eine akute Abteilung, das heisst, dass ein grosser Teil der Patienten wieder austreten kann und somit müssen Anschlusslösungen gefunden werden. Bei Austritten nach Hause werden bei Bedarf unterstützende Dienste, wie z.B. Spitex, Brückendienst miteinbezogen.

Bei sterbenden Patienten auf der Palliativ Abteilung wird auf eine individuelle, achtsame und würdevolle Betreuung geachtet.

Es ist eine wundervolle, vielseitige und anspruchsvolle Aufgabe, welche mich und mein Leben geprägt hat.

Seit dem neuen Jahr arbeite ich im ambulanten Bereich und schätze nun neben der neuen spannenden Tätigkeit die geregelten Arbeitszeiten ohne Nachtdienste.


Warum hast Du dich ausgerechnet für diesen Job entschieden?

Für mich ist es nicht «nur» ein Job, es ist mir wichtig etwas zu bewirken in meinem beruflichen Alltag. Es ist mir ein Anliegen Menschen und ihre Liebsten kompetent und mit Herz zu begleiten. Diese Möglichkeit hat mir die Arbeit in der Pflege im Allgemeinen und die Stelle auf der palliativen Abteilung im speziellen geboten.


Durch Deine Arbeit wirst Du in vielfältiger Weise mit dem Thema Trauer konfrontiert. Wie erlebst Du dieses Gefühl, in Bezug auf Dich, aber auch auf Deine Patienten?

Der Trauerprozess beginnt bei den Patienten meistens bereits durch die Verluste, welche die Krankheit mit sich bringt und trotzdem erlebe ich oft, dass über die Trauer wenig oder gar nicht gesprochen wird. Die Hoffnung ist trotz der Prognose noch so zentral, dass die Trauer in den Hintergrund rückt. Ich erinnere mich jedoch z.B. an Situationen, in denen die Betroffenen offen mit ihren Kindern altersentsprechend über die Trauer und die ausweglose Situation sprechen und sie miteinbezogen konnten. Dies hat auch den Kindern das Abschied nehmen erleichtert.

Auf mich bezogen sehe ich die Trauer als ein Teil meiner Arbeit, ich lernte professionell mit meinen Gefühlen im Rahmen meiner Tätigkeit umzugehen.


Was erfüllt Dich an Deiner Arbeit?

Die Menschen in ihrer Vielfalt auf ihrem Weg zu begleiten und die Mitarbeit in einem wertschätzenden Team.


Was belastet Dich daran?

Es gab selbstverständlich immer wieder sehr traurige und schwierige Situationen in meinem beruflichen Alltag. Für mich hilfreich war der Austausch im Team und wenn im Rahmen von Intervisionen oder Supervisionen solche herausfordernden Situationen angesprochen werden können.

Die Pandemie war eine sehr schwierige und ja, auch belastende Zeit, nicht nur für die Patienten und die Angehörigen, sondern auch für das Personal. Es sind viele Berufsleute aus dem Job ausgestiegen oder waren psychisch am Limit. Es ist wichtig einander Sorge zu tragen. Meiner Meinung hat die Pandemie deutlich aufgezeigt, dass es endlich an der Zeit ist die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen anzupassen, resp. zu verbessern.


Wie siehst Du die Zukunft in der Palliative Care? Gibt es noch Luft nach oben?

Ich bin dankbar über ein bereits sehr breites Angebot in der Palliative Care im Kanton Graubünden. Die Palliative Versorgung in der Schweiz soll und darf weiterhin wachsen und gedeihen. Für die Zukunft würde ich mir ein Hospiz für Kinder, weitere Hospizplätze für Erwachsene und dass die Grundsätze der Palliative Care in jeder Alters- und Pflegeeinrichtung implementiert und gelebt werden. Mit Palliative Care verstehe ich auch die Begleitung der Angehörige bis über den Tod hinaus, darum können auch Angebote wie das Trauercafé, Kindertrauergruppen und Angebote unseres Vereins des FKT-Ost sehr gewinnbringend sein.


Was ist Deine Motivation im Vorstand des FKT mitzuwirken?

In meinem beruflichen Alltag und im Rahmen meiner Tätigkeit als Mitglied des Care Teams begegne ich Menschen, welche mit Leid und Verlust in Kontakt gekommen sind. Mir liegt ein professionelles Begleiten dieser Personen am Herzen, weshalb ich mich im Bereich der Krisenintervention zusätzlich vertieft habe. Es freut mich sehr, dass durch den FKT Ost eine interdisziplinäre Plattform in unserer Region angeboten wird, die hilft Fachleute miteinander zu vernetzen und Krisen- und Trauerbegleitungen anbietet. Das Ziel des Vereins einen Zugang und Überblick zu einem breiten Angebot einfach zu ermöglichen, z.B. um eine Anschlusslösung an die akute Begleitung zu finden, ist sehr sinnvoll und ich unterstütze den FKT Ost deshalb sehr gerne. Der Verein ist noch sehr jung und wir freuen uns über jede Unterstützung und Partnerschaft, um weiter wachsen zu können.


Erzählst Du uns zum Abschluss eine Geschichte, welche Dich besonders berührt hat?

Es sind so viele berührende Geschichten… So viele tragische und zugleich wunderbare, tiefberührende Momente die das Leben schreibt und zeichnet.


Vielen Dank!





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