Interview mit David Naef

Liebe Interessierte der Fachstelle für Krisen- und Trauerbegleitung Ost Für den Dezember-Newsletter zum 3. Advent durfte ich David Naef, Bestatter und Geschäftsführer von Caprez Bestattungen, sowie Vorstandsmitglied im Verein FKT-Ost interviewen. Irene Ardüser Präsidentin FKT-Ost Lieber David, als Bestatter kommst Du mit Menschen in Kontakt, die unmittelbar von einem Verlust eines geliebten Menschen betroffen sind. Was hat Dir Deine Erfahrung gezeigt, was für Betroffene in dieser ersten Zeit besonders wichtig ist? Aus meiner Erfahrung kann ich sagen; der einzige schlechte Abschied ist gar kein Abschied. Der Tod ist und bleibt für uns Menschen ein Mysterium, er macht uns oft hilflos. So ist es wichtig, dass die Menschen einen Weg finden mit diesen Gefühlen umzugehen. Dies ist für jede Person und in jeder Lebenslage unterschiedlich. Als Bestatter versuchen wir den Angehörigen mögliche Wege aufzuzeigen; sei dies durch ihre Mithilfe beim Einkleiden, beim Einbetten in den Sarg oder durch eine schöne Aufbahrung, bei welcher die ganze Familie mit den Kindern den Sarg fürs Nani bemalt oder einen Brief schreibt. Wichtig ist, dass jeder den Abschied auf seine eigene Art leben und verarbeiten kann. Wie wird man als Bestatter diesen Bedürfnissen gerecht? Wie gelingt das? Da alle Menschen verschieden sind, ist auch der Weg des Abschieds unterschiedlich. Die aktuellen Bedürfnisse der Angehörigen heraus zu spüren, sie vielleicht zu etwas ermutigen ohne sie zu bedrängen, ist unsere grösste Herausforderung. Dies gelingt durch die Grundhaltung, dass einem die Menschen wichtig sind. Durch Zuhören spürt man relativ gut, was die Angehörigen brauchen und wo es zu viel ist. Was war der ausgefallenste Wunsch, den eine verstorbene Person vorgängig formuliert hatte, oder die hinterbliebenen Angehörigen an Dich hatten? Eine Person wollte einmal den Kopf ihres Partners abgetrennt haben, um dessen Schädel als Andenken aufzubewahren. Das mussten wir aus Pietätsgründen natürlich ablehnen. In welchen Situationen fändest Du es hilfreich, wenn die Betroffenen durch eine(n) Trauerbegleiter*in begleitet würden? Weil die Menschen sich in guten Zeiten verständlicherweise wenig Gedanken zum Thema Tod und Abschied machen, herrscht in unserer Gesellschaft diesbezüglich keine aktive Wertekultur; die Menschen haben wenig Erfahrung mit diesem Thema und wissen oft nicht, wie damit umzugehen ist. Vor allem in ungewöhnlichen Situationen wie Suizid oder der Tod von jungen Menschen aber oft auch einfach, weil man einen Menschen sehr geliebt hat, kann dies der Fall sein. Tritt die Situation ein und überfordert uns, ist es ratsam professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Was waren Deine Beweggründe den Verein FKT-Ost mitzugründen und aufzubauen? Wie gesagt ist die Bestattungskultur bei uns nicht sehr ausgeprägt. Verliert man dann eine geliebte Person, ist man froh, wenn es Menschen gibt, die sich schon vorher Gedanken dazu gemacht haben und eine Kultur der Achtung pflegen. Sie alle miteinander zu vernetzten und somit professionelle und qualitativ hochwertige Angebote zur Verfügung zu stellen ist mir ein grosses Anliegen. Was würdest Du Bestattern raten, weshalb es wichtig und sinnvoll wäre sich unserem Verein anzuschliessen? Als Bestatter begleitet man die Angehörigen über eine eher kurze Zeit. Der Prozess für die Hinterbliebenen dauert aber länger. Es ist aus menschlicher, aber auch aus unternehmerischer Sicht wichtig, ein breites Angebot für weiterführende Begleitung bereit zu stellen. Dies tut unser Verein. Ich danke Dir für Deine Zeit meine Fragen zu beantworten und für Dein grosses Engagement für Trauernde und für unseren Verein.