Interview mit Andrea Schena

Ich freue mich sehr, für den März-Newsletter Andrea Schena zu interviewen und Euch einen Einblick in ihr vielseitiges Engagement zu geben. Andrea ist Ritual-und Zeremoniegestalterin sowie Geschäftsleiterin der Hospizgruppe Sarganserland. Sie hat als Gründungsmitglied von FKT-Ost viel Engagement in den Verein fliessen lassen und ist als Kassierin verantwortlich für unsere Finanzen. Auf die nächste GV hin demissioniert Andrea aus zeitlichen Gründen, bleibt jedoch als Fachpoolmitglied im Verein aktiv dabei, was uns sehr freut.

Stefanie Pleisch



Liebe Andrea,

Was waren deine Beweggründe den Verein FKT-Ost mitzugründen und aufzubauen?

Die Begleitung von Menschen in schwierigen Situationen, im speziellen bei Krankheit und Tod (palliative care) ist grundsätzlich sehr gut abgedeckt. Oft stehen Angehörige nach dem Tod, wenn das palliative Betreuungsteam wegfällt, alleine da. Der Verein FKT-Ost füllt hier eine Lücke und macht ein Angebot für Trauerarbeit bzw. Trauerbegleitung sichtbar.

Du hast letztes Jahr die Geschäftsleitung der Hospizgruppe Sarganserland übernommen, was bietet ihr an?

Die Hospizgruppe Sarganserland unterstützt, betreut und begleitet schwerkranke und sterbende Menschen und deren Angehörige. In einer solchen schwierigen Situation soll niemand von uns allein sein – das ist unsere Haltung. Die achtsame Begleitung durch Freiwillige schafft Erleichterung und Würde für Menschen im Leben und im Sterben.

Ihr habt auch eine Hospizwohnung, wie kann man sich dies vorstellen?

Die Hospizwohnung ist im Kloster Mels integriert. Die Atmosphäre ist familiär, hell und freundlich. Sie bietet einen Ort der Ruhe für Menschen, die ihre letzten Lebenstage im Kreis ihrer Liebsten verbringen möchten. Der Gedanke der Hospizwohnung ist, dass Angehörige zusammen mit ausgebildeten Ehrenamtlichen und mit Unterstützung der Spitex und dem lokalen Arzt ihren schwerkranken Mitmenschen betreuen, ohne sich selbst zu überlasten. Unsere Wohnung ist ein gemütliches, zeitlich begrenztes Zuhause.

Du hast eine Ausbildung als Ritual- und Zeremoniegestalterin; was können Abschiedsrituale für Trauernde bieten?

Rituale bieten die Möglichkeit dem Schmerz sowie der Trauer Raum und Aufmerksamkeit zu geben und helfen dadurch, den Verlust einzuordnen. Rituale schenken kraftvolle Momente, lassen Verbundenheit erfahren, machen bewusst und ermöglichen Klärungen und Lösungen. Diese Erfahrung bestärkt darin, den eigenen Weg vertrauensvoll und zuversichtlich weiter zu gehen.


Gab es ein Ritual welches dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Oft sind es die Momente in Ritualen - ich nenne sie „heiligen Momente“ - in denen die Natur mit der Energie, die im Ritual entsteht, in Resonanz geht. Während einer Abschiedsfeier in einem Waldfriedhof tanzte ein Zitronenfalter um die Urne. Bei einem persönlichen Ritual schenkte mir die Natur ein wunderschöner Stein mit einer Herzzeichnung. Dieser Stein begleitet mich seit daher. Er bedeutet mir viel, weil er eine schöne Erinnerung an ein sehr heilsames Ritual ist.


Zusätzlich bietest du mit anderen Mitgliedern des Vereins „Ritual Treffen nach Kindsverlust“ und „Trauerbegleitung“ in diversen unterschiedlichen Formen an. Was ist dein Ausgleich zu all den anspruchsvollen Aufgaben?

Ich schätze mich glücklich, an einem Ort zu leben wo ich von einer wunderschönen Natur und der Bergwelt umgeben bin. Ich kann meine Leidenschaft zum Bergsport vor der Haustüre ausüben. Die Natur ist für mich eine grosse Kraftquelle, die mir immer wieder Kraft, Rückhalt und Vertrauen schenkt. In mein grosser Bio-Garten, den ich mit Leidenschaft pflege und hege, kann ich sehr gut „abschalten“.

Andrea Schena